Montag, 6. Juni 2016

KOMOSO-/KOMUSO-MÖNCHE

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/06/Komuso_Buddhist_monk_beggar_Kita-kamakura.jpg
Ein Mönch mit seiner Shakuhachi.

Bei der Erklärung der Komoso bzw. Komuso-Mönche muss man zuerst auf die unterschiedlichen Bezeichnungen eingehen, die nicht nur eine Aussprachevariation sind. 
Komoso bedeutet nämlich "Strohmattenmönch" und Komuso "Priester/Mönch des Nichts". Man geht davon aus, dass die Bezeichnung Komoso die ursprüngliche war und dann mit Ausarbeitung der Weltanschauung in das ähnlich klingende Komuso umgewandelt wurde. Lexikalisch findet man aber bis heute beide Begriffe.

Komuso-Mönche sind Anhänger der Fuke-Sekte und damit der Ideologie des Fuke Zen des japanischen Zen-Buddhismus. Diese Denkrichtung kam ungefähr im 13. Jahrhundert nach Japan.
Fuke Zen stammt von den Lehren des Linji Yixuan ab, eines Zen-Lehrers aus dem China des 9. Jhd.s. Der Name Fuke ist eine Japanisierung des Namens Puhua, der Mitbegründer der Richtung war.
Puhua hatte die Angewohnheit, herumzuwandern und dabei eine Glocke anzuschlagen, um andere Menschen zur Erleuchtung zu bewegen.
In Japan wählte man dazu die Shakuhachi, eine Bambusflöte, die ihrerseits auf chinesische Vorbilder zurückzuführen ist.
Die Komuso-Mönche praktizierten entsprechend keinen Zazen, bei dem die Meditation im Sitzen stattfindet, sondern Suizen, bei dem die Meditation durch das Flötenspiel stattfindet. Suizen bedeutet "blasender Zen". Die Stücke (Honkyoku) bestanden aus präziser Atemkontrolle zur Bewusstwerdung und waren angepasst an die Schrittbewegung des pilgernden Mönches. Denn die Meditation bei den Komuso-Mönchen sollte nicht lokal fixiert stattfinden, sondern auf weite Pilgerdistanzen. Hier zeigen sich also mehrere Unterschiede im Vergleich zum Zazen.

Pilgergruppe von Komoso/Komuso-Mönchen.

Während der Sengoku-Periode, dem Zeitalter der Bürgerkriege von 1467 - 1603, war es weit verbreitet, dass Komuso-Mönche mit Korb-Hüten stundenlang an den Straßenecken herumstanden und Flöte spielten oder auf Pilgerpfaden herumwanderten.
Schon unter dem Ashikaga-Shogunat von 1336–1573 wurde die Reise innerhalb Japans sehr stark beschränkt. Die Fuke-Sekte schaffte es jedoch, eine besondere Ausnahme für sich zu erreichen. 
Die Mobilität der Komuso-Mönche war damit durchaus von strategischer Bedeutung, so dass verschiedene Mächte, darunter das Shogunat selber sowie Ninja und Ronin (herrenlose Samurai), versuchten, die Möglichkeiten der Sekte für ihre Zwecke auszunutzen. Das brachte die Sekte selber in Verruf. Daher soll es zu regelrechten Echtheits-Tests an Mönchen gekommen sein: Komuso mussten einige Beispiellieder spielen, um zu beweisen, dass sie wirklich zu der Fuke-Sekte gehörten. Konnten sie dies nicht, so wurden sie festgenommen oder hingerichtet. 

Noch problematischer wurde die Lage der Komuso-Mönche unter dem Tokugawa-Shogunat, das Japan gewalttätig einigte und dann eine Art absolutistisches Regime errichtete (1603 - 1867). Die Fuke-Sekte hatte in der Bürgerkriegszeit viele Mönche aus versprengten Existenzen rekrutiert, die in den Augen der Regierung verdächtig waren. 

Das vorläufige Ende der Fuke-Sekte erfolgte dann aber während der Meiji-Restauration, als die Macht des Tennos gegenüber dem Shogunat massiv gestärkt wurde. Diesmal ging es darum, das inzwischen technologisch rückständige Japan anhand einer starken Zentralmacht zu modernisieren, was durchaus auch militärisch gemeint war. 
Relikte des alten Systems wie die Fuke-Sekte störten da, zumal gegen sie immer wieder der Verdacht aufkam, dass sie wieder einmal nicht nur die "Leere" erforscht, sondern sich auch in irdische politische Angelegenheiten eingemischt habe.

Historische Zeichnung.

 

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