fol. 87 r: Es gibt dreierlei Werke:
1) die an sich gut sind, nur ein Umstand macht sie böse
2) die so übel sind, daß sie besser nicht geschähen (Ehe brechen, rauben, Angeberei, Ehre abschneiden)
3) die in der Mitte sind: "dy an jn selbß weder gut noch pöß sind alß sich jucken an dem hawpt (lies: haupt) oder ain halm auf heben".
fol. 88 r: Die bürgerlichen Sitten sind zwar gut, aber in christlicher Hinsicht oft nutzlos! Auch Ungläubige haben solche Sitten! Sie machen deswegen niemanden selig! Da die Menschen nicht alle Bücher lesen können "noch all predig mugen haim suchen", soll man Gott lieben wie es der
fol. 88 v: Hl. AUGUSTINUS tat, "so verlat (=verläßt) sy (=sie, die Menschen) got nit". Es ist auch "gar ain guts und nucz zemercken das der hoch lerer GERSON der canczler von Parviß (=Paris) setzet jn ainem sendpuch von drey warrhaiten". Wer bekennt, ist "in dem stand deß hailß".
fol. 89 r: Was zählt ist der Vorsatz: "aber ich hab guten forrsatz mich fürbaß (=künftig; oder: wirklich, unbedingt) ze hutten vor der sünden und vor der sund ursach nach meinem vermugen". JOH. GERSON:
89 v: Wenn einer gesündigt hat, wird er dies erkennen und die drei Warheiten einhalten: "so wurd er danach solich erkennen der drey warhait pehalten wie wol er vielleicht lange zeit müst in dem fegfewr (lies: fegfeuer) sein" (Sinn unklar!?). Man soll diese drei Warheiten bekennen, nachts, morgens und wenn man in Not ist ("in notten sey").
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FINIS
Diese Seite befasst sich mit dem Mittelalter (Medium Aevum) und hat ihren Schwerpunkt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (Sacrum Romanum Imperium Nationis Germanicae).
Dienstag, 28. August 2018
CGM 4597: TRAKTAT ÜBER GEWISSEN UND SÜNDEN (TEIL 3)
fol. 83 r: Es gibt auch das träge Unwissen, wenn man zwar gern wissen will, sich dafür aber nicht mühen möchte. Und es gibt aber auch das wollende Unwissen, wenn z.B. einer sagt: wenn ich viel weiß und kann, muß ich viel verantworten. Diese drei Arten von Unwissen entschuldigen die Sünde nicht.
fol. 83 v: Pauluszitat.-Wer aller Dinge wissen und erkennen will zu seinem Heil und dies mit Fleiß tut, der ist entschuldigt, wenn er etwas aus Einfalt tut.
fol. 84 r: BONAVENTURA und WILHELMUS PARISIENSIS: Das Unwisen des Menschen wird dadurch entschuldigt, daß man fleißig heilsame Dinge lernt, indem man Gottes Wort hört oder emsig in der Hl. Schrift liest "durch gemütliche (=im Gemüt!) betrachtung solicher guten dinge die man höret". Weiterhin daß man gern mit gottesfürchtigen Menschen über heilsame Dinge redet und sich fragt
fol. 84 v: was zu Gottes Lob führt.
3) Man hüte sich von "swären sünden" "daß er dar jnne nit lang lig". Gott straft auch durch neue Sünden die alten. So wird der Mensch ungeschickt zu guten Dingen.
4) Bitte des Menschen an Gott "das er jn erleucht in den dingen aller maist die dem hayll notdorftig sein".- ZITAT: JOH. CHRISOSTOMUS und MATTHÄUS.
fol. 85 r: Bemüht man sich, so bleibt einem nicht unerkannt, was man wissen wolle, damit man nicht aus Unwissenheit sündige. Aber: wer "sündet awß (lies: aus) gancz poßhait wissentlichen und williclichen daß ist in den hailigen geist und ist
fol. 85 v: die hertest sünd und wirt hart (=schwer) vergeben" (dann ist aus mit Vergebung!). Man sei in allem Tun und Lassen andächtig. Man soll bei jedem Werk die Umstände beachten.
fol. 86 r: Wenn man z.B. fastet, so tue man dies auf vernünftige Art: "mit den rechten umbständen jn rechter maynung (=Gesinnung) in rechtem maße und ordnung waß dem leib abgee daß dar durch der sel zu gee" (was dem Körper sozusagen abgebrochen wird, das kommt der Seele zugute). Ähnlich bei Almosen: bedenke, wieviel, was, warum, wem, wozu du gibst.
86 v: So auch bei einem jeglichen Werk! Bedenke die Umstände, die es gut machen oder nicht! Tut man etwas aus Selbstüberhebung (Prahlerei, Stolz), dann ist dies schlecht.
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fol. 83 v: Pauluszitat.-Wer aller Dinge wissen und erkennen will zu seinem Heil und dies mit Fleiß tut, der ist entschuldigt, wenn er etwas aus Einfalt tut.
fol. 84 r: BONAVENTURA und WILHELMUS PARISIENSIS: Das Unwisen des Menschen wird dadurch entschuldigt, daß man fleißig heilsame Dinge lernt, indem man Gottes Wort hört oder emsig in der Hl. Schrift liest "durch gemütliche (=im Gemüt!) betrachtung solicher guten dinge die man höret". Weiterhin daß man gern mit gottesfürchtigen Menschen über heilsame Dinge redet und sich fragt
fol. 84 v: was zu Gottes Lob führt.
3) Man hüte sich von "swären sünden" "daß er dar jnne nit lang lig". Gott straft auch durch neue Sünden die alten. So wird der Mensch ungeschickt zu guten Dingen.
4) Bitte des Menschen an Gott "das er jn erleucht in den dingen aller maist die dem hayll notdorftig sein".- ZITAT: JOH. CHRISOSTOMUS und MATTHÄUS.
fol. 85 r: Bemüht man sich, so bleibt einem nicht unerkannt, was man wissen wolle, damit man nicht aus Unwissenheit sündige. Aber: wer "sündet awß (lies: aus) gancz poßhait wissentlichen und williclichen daß ist in den hailigen geist und ist
fol. 85 v: die hertest sünd und wirt hart (=schwer) vergeben" (dann ist aus mit Vergebung!). Man sei in allem Tun und Lassen andächtig. Man soll bei jedem Werk die Umstände beachten.
fol. 86 r: Wenn man z.B. fastet, so tue man dies auf vernünftige Art: "mit den rechten umbständen jn rechter maynung (=Gesinnung) in rechtem maße und ordnung waß dem leib abgee daß dar durch der sel zu gee" (was dem Körper sozusagen abgebrochen wird, das kommt der Seele zugute). Ähnlich bei Almosen: bedenke, wieviel, was, warum, wem, wozu du gibst.
86 v: So auch bei einem jeglichen Werk! Bedenke die Umstände, die es gut machen oder nicht! Tut man etwas aus Selbstüberhebung (Prahlerei, Stolz), dann ist dies schlecht.
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CGM 4597: TRAKTAT ÜBER GEWISSEN UND SÜNDEN (TEIL 2)
fol. 78r: Das eigene Tun schätzen solche als gerecht ein, bei andern aber sind sie ungnädig und strafen sie. Es ist schwierig zu unterscheiden, ob eine Sünde tödlich oder läßlich ist.
1) Ein Mensch hat zu große Liebe zu sich oder zu einer anderen Kreatur.
78 v: Er sündigt gegen Gott, was tödlich ist. Die Selbstliebe muß klein sein!.
2) Wessen man geduldet sein will, das soll man auch bei anderen dulden ("weß du wilt vertragen sein von den menschen deß solt du sy auch vertragen und weß du wilt daß man dir tue
fol. 79 r: das solt du auch tun". Inwieweit etwas Todsünde ist, läßt sich nur schwer ermessen; es kommt auf die "umbstänt" an.
3) Wenn man etwas Böses tut (wider die Gebote oder die Gesetze der Natur) oder etwas Gutes nicht tut, dann ist das Todsünde, besonders wenn man geschworen hat oder wenn es wissentlich geschieht.
4) Wenn etwas gegen das Gewissen geschieht oder wenn man sieht, das es nicht gut ist, dann ist es Todsünde. Das Gewissen kann sich auch irren!
fol. 80 r: 5) Denkt man an eine böse, nichtige Sache, dann ist das Todsünde, auch wenn man kein Gefallen daran hat. Hat man in sich eine Nachgiebigkeit zu Werken, die tödlich sind, dann ist dies ebenfalls tödlich, auch wenn das Werk niemals geschieht!
fol. 80 v: Hat man die Geschöpfe lieber als den Schöpfer, so ist dies Todsünde. Hat man sie lieber, als man sie haben soll, aber weniger lieb als Gott, dann ist dies läßlich. THOMAS VON AQUIN wird zitiert.
fol. 81 r: BONAVENTURA: der Mensch kehrt sich durch die Todsünde von Gott ab. Es ist so, wie wenn einer zum Aufgang gehen soll, sich rumdreht und zum Untergang geht. Ein solcher "der keret sich zu ainer widerwärtigen weg"!
fol. 81 v: 3) Um ein Werk zu vollbringen, bedarf es dreier Dinge:
1) das Vermögen (Können, Macht)
2) Wissen und Verstehen (das Wie)
3) Willen
Fehlt eines davon, geschieht das Werk nicht.
82 r: Vergleich der Dreieinigkeit mit diesen drei Dingen: 1) entspricht der Allmacht Gottes, 2) seiner Weisheit, 3) der Güte des Hl. Geistes. Lustige Stelle: "wann sündest du awß (lies: aus) plödikait so ist es in (=gegen ?) got
fol. 82 v: den vater sundest du awß ainfaltichait so ist es gesünd in got den sun sündest du awß poßhait so ist eß gesünd in den hailigen geist".-Die drei Seelenkräfte, durch die wir nach der Dreieinigkeit gebildet sind: Gedächtnis, Verständnis, Wille. Wenn der Mensch tut, was er kann, dann sündigt er nicht. Gott verlangt nicht, was über das Vermögen hinausgeht. Der Mensch sündigt auch aus Einfältigkeit und Unwissen!
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1) Ein Mensch hat zu große Liebe zu sich oder zu einer anderen Kreatur.
78 v: Er sündigt gegen Gott, was tödlich ist. Die Selbstliebe muß klein sein!.
2) Wessen man geduldet sein will, das soll man auch bei anderen dulden ("weß du wilt vertragen sein von den menschen deß solt du sy auch vertragen und weß du wilt daß man dir tue
fol. 79 r: das solt du auch tun". Inwieweit etwas Todsünde ist, läßt sich nur schwer ermessen; es kommt auf die "umbstänt" an.
3) Wenn man etwas Böses tut (wider die Gebote oder die Gesetze der Natur) oder etwas Gutes nicht tut, dann ist das Todsünde, besonders wenn man geschworen hat oder wenn es wissentlich geschieht.
4) Wenn etwas gegen das Gewissen geschieht oder wenn man sieht, das es nicht gut ist, dann ist es Todsünde. Das Gewissen kann sich auch irren!
fol. 80 r: 5) Denkt man an eine böse, nichtige Sache, dann ist das Todsünde, auch wenn man kein Gefallen daran hat. Hat man in sich eine Nachgiebigkeit zu Werken, die tödlich sind, dann ist dies ebenfalls tödlich, auch wenn das Werk niemals geschieht!
fol. 80 v: Hat man die Geschöpfe lieber als den Schöpfer, so ist dies Todsünde. Hat man sie lieber, als man sie haben soll, aber weniger lieb als Gott, dann ist dies läßlich. THOMAS VON AQUIN wird zitiert.
fol. 81 r: BONAVENTURA: der Mensch kehrt sich durch die Todsünde von Gott ab. Es ist so, wie wenn einer zum Aufgang gehen soll, sich rumdreht und zum Untergang geht. Ein solcher "der keret sich zu ainer widerwärtigen weg"!
fol. 81 v: 3) Um ein Werk zu vollbringen, bedarf es dreier Dinge:
1) das Vermögen (Können, Macht)
2) Wissen und Verstehen (das Wie)
3) Willen
Fehlt eines davon, geschieht das Werk nicht.
82 r: Vergleich der Dreieinigkeit mit diesen drei Dingen: 1) entspricht der Allmacht Gottes, 2) seiner Weisheit, 3) der Güte des Hl. Geistes. Lustige Stelle: "wann sündest du awß (lies: aus) plödikait so ist es in (=gegen ?) got
fol. 82 v: den vater sundest du awß ainfaltichait so ist es gesünd in got den sun sündest du awß poßhait so ist eß gesünd in den hailigen geist".-Die drei Seelenkräfte, durch die wir nach der Dreieinigkeit gebildet sind: Gedächtnis, Verständnis, Wille. Wenn der Mensch tut, was er kann, dann sündigt er nicht. Gott verlangt nicht, was über das Vermögen hinausgeht. Der Mensch sündigt auch aus Einfältigkeit und Unwissen!
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CGM 4597: FOL. 72 R-89 V: TRAKTAT ÜBER GEWISSENSERFORSCHUNG UND DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN TÖDLICHEN UND LÄSSLICHEN SÜNDEN (TEIL 1)
fol. 72 r: Was das Gewissen angeht, so befinden sich viele in großem Irrtum. Bei weltlichen Freuden und Kurzweil muß man sich in acht nehmen (übermäßige und überflüssige Gebärden, Kleidung, Schmuck). Oft straft einen das Gewissen dafür. Doch kann man sich nur schwer davon losmachen. Handeln die Leute aber anders als ihresgleichen, so werden sie geschätzt, wenn sie das Unrecht anderer strafen. So vermeinen sie gerecht zu sein und schätzen sich selbst besser.
fol. 72 v: Die Stände der Menschen: sie sind ungleich. Es gibt geistliche und weltliche. Einer ist in der Ehe, der andere ledig, einer will heiraten, der andere nicht. Ebenso gibt es Unterschiede beim Gewissen und zwischen Todsünden und läßlichen Sünden. Es gibt verschiedene Umstände, die ein Werk gut oder schlecht machen. Zum ersten soll man wissen, daß es sieben Arten des Gewissens gibt.
1) ein zu sicheres oder füchsisches wie bei den Pharisäern, die oft große Sünden zu kleinen machen. Ein kleiner Irrtum wird durch böse Gewißheit
fol. 73 r/ v: am Ende groß. Fabel vom Fuchs, Löwen und Esel: Der Fuchs macht klein, was der Löwe getan hat, aber der Esel getan hat, der nur einen Schuh gefressen hat, das macht er groß. Genauso gibt es Leute die"gleich der fuchsischen listikait" sind, die die großen Sünden der Mächtigen kleinreden, aber die kleinen der Armen strafen. So richten die großen Diebe über die kleinen.
fol. 74r: 2) Das zweite ist das zu weite Gewissen, das nur die großen Sünden beachtet. Solche merken nicht, daß ein starkes Haus zusammenfällt, wenn man kleine Mängel übersieht. Sie sind wie Fischer mit weitmaschigen Netzen, die daher die kleinen Fische nicht fangen, die übrigens oft besser und gesünder sind. Mit zu weitem Gewissen kommt man nicht zur Vollkommenheit!
fol 74 v: Ein solches Gewissen heißt man das wölfische.- Fabel vom Wolf, der Kuh und dem Kalb.-Viele wollen sich durch ein zu weites Gewissen herausreden.
3) Die dritte Art von Gewissen ist das kleinmütige und strenge, wie es die haben, die an allem zweifeln und über alles besorgt sind. Bibelzitat: AT (Makkabäer 2).
4) Das vierte ist das ruhige. Solche sprechen oft: Gott sieht es nicht.
75 r/v: Warnung Salomons, nicht den Sünden nachzugeben (Sprüche 1). Ein solches Gewissen haben die, die nicht wissen wollen, was das Richtige ist.
5) Das böse Gewissen, das oft der Verzweiflung nahesteht. Das haben die, die immer wieder in Sünde fallen, obwohl sie es bereuen. Zitat NT (Christus spricht zu Petrus).
6) Dieses ist gut, aber nicht ruhig, sondern krank wie bei denen, die in Bitterkeit ihrer Seele gedenken, wie sie in den letzten Jahren gewesen ist. Sie empfinden den Streit zwischen Körper und Geist. Diese Menschen sind lau(warm) in ihrem Streben. Da wo keine Sünde ist, sind sie oft betrübt. Sie werden oft durch die bösen Feinde der
76 r/v: Worte bewegt oder durch die Lehren der Unweisen, die einen irre machen. Zitat NT (Korinther 8).
7) Dieses ist ruhig und gut (Zitat: "der Zwölfbote"; AT) und HUGO VON ST. VIKTOR im Buch über die Seele: ein ruhiges Gewissen ist süß.
77 r: Ein gutes Gewissen macht ein Drittel der Geistlichkeit aus; es ist eine Wohnung des Hl. Geistes.
77 v: Am jüngsten Tag kommt es ans Licht und wird wie ein Buch geöffnet. Geistliche Sünden: Hoffart, Geiz, Neid, Haß. Vergleich mit Mücken und dem "kameltier".-Das gnadenlose Gewissen ist oft sich selbst gnädig.
ENDE TEIL 1-----
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fol. 72 v: Die Stände der Menschen: sie sind ungleich. Es gibt geistliche und weltliche. Einer ist in der Ehe, der andere ledig, einer will heiraten, der andere nicht. Ebenso gibt es Unterschiede beim Gewissen und zwischen Todsünden und läßlichen Sünden. Es gibt verschiedene Umstände, die ein Werk gut oder schlecht machen. Zum ersten soll man wissen, daß es sieben Arten des Gewissens gibt.
1) ein zu sicheres oder füchsisches wie bei den Pharisäern, die oft große Sünden zu kleinen machen. Ein kleiner Irrtum wird durch böse Gewißheit
fol. 73 r/ v: am Ende groß. Fabel vom Fuchs, Löwen und Esel: Der Fuchs macht klein, was der Löwe getan hat, aber der Esel getan hat, der nur einen Schuh gefressen hat, das macht er groß. Genauso gibt es Leute die"gleich der fuchsischen listikait" sind, die die großen Sünden der Mächtigen kleinreden, aber die kleinen der Armen strafen. So richten die großen Diebe über die kleinen.
fol. 74r: 2) Das zweite ist das zu weite Gewissen, das nur die großen Sünden beachtet. Solche merken nicht, daß ein starkes Haus zusammenfällt, wenn man kleine Mängel übersieht. Sie sind wie Fischer mit weitmaschigen Netzen, die daher die kleinen Fische nicht fangen, die übrigens oft besser und gesünder sind. Mit zu weitem Gewissen kommt man nicht zur Vollkommenheit!
fol 74 v: Ein solches Gewissen heißt man das wölfische.- Fabel vom Wolf, der Kuh und dem Kalb.-Viele wollen sich durch ein zu weites Gewissen herausreden.
3) Die dritte Art von Gewissen ist das kleinmütige und strenge, wie es die haben, die an allem zweifeln und über alles besorgt sind. Bibelzitat: AT (Makkabäer 2).
4) Das vierte ist das ruhige. Solche sprechen oft: Gott sieht es nicht.
75 r/v: Warnung Salomons, nicht den Sünden nachzugeben (Sprüche 1). Ein solches Gewissen haben die, die nicht wissen wollen, was das Richtige ist.
5) Das böse Gewissen, das oft der Verzweiflung nahesteht. Das haben die, die immer wieder in Sünde fallen, obwohl sie es bereuen. Zitat NT (Christus spricht zu Petrus).
6) Dieses ist gut, aber nicht ruhig, sondern krank wie bei denen, die in Bitterkeit ihrer Seele gedenken, wie sie in den letzten Jahren gewesen ist. Sie empfinden den Streit zwischen Körper und Geist. Diese Menschen sind lau(warm) in ihrem Streben. Da wo keine Sünde ist, sind sie oft betrübt. Sie werden oft durch die bösen Feinde der
76 r/v: Worte bewegt oder durch die Lehren der Unweisen, die einen irre machen. Zitat NT (Korinther 8).
7) Dieses ist ruhig und gut (Zitat: "der Zwölfbote"; AT) und HUGO VON ST. VIKTOR im Buch über die Seele: ein ruhiges Gewissen ist süß.
77 r: Ein gutes Gewissen macht ein Drittel der Geistlichkeit aus; es ist eine Wohnung des Hl. Geistes.
77 v: Am jüngsten Tag kommt es ans Licht und wird wie ein Buch geöffnet. Geistliche Sünden: Hoffart, Geiz, Neid, Haß. Vergleich mit Mücken und dem "kameltier".-Das gnadenlose Gewissen ist oft sich selbst gnädig.
ENDE TEIL 1-----
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Donnerstag, 19. April 2018
NOVIZENTRAKTAT: Freiburg Hs. 219, fol. 10 r-v: Praefatio (Vorrede); erstes Kapitel: Gründe für den Eintritt in einen Orden
von im: wann gott der her ist hailsam und saelig machen die do hoffnung habend in in: wie wol eß ist das er muß zuo zytten ist zuoschicken trie saeligkait
hie hant ain end die vorred
hie vacht sy an der tractat den man nempt ain form der novitzen oder aines anfahenden menschen / das erst capitell das der mensch betracht war umb er kumen sy in ainen gaistlichen orden zuo dem aller ersten: du gaistlicher mensch. bist du ingegangen in ain gaistlichen bewertten orden: betracht zuo dem
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10 v: aller ersten / war umb du dar in syist kummen: und war zuo und uß wass ursach willen: warumb bistu aber kumen / allain das du wellist gott dem heren Christo jhesu: deinem gespons. hie in disen ellenden stoerblichen leben: williglich frölich biß in den tod deinen (=dienen!) / das er werde dein lon in den ewigen leben: nun zuo gelicher weiß als du umb kaines anderes wegen bist kumen in ain gaistlichen orden / allso umb kains anderen willen soltu verlangen kain guotz werck. war zuo bist du aber kummen in ainen gaistlichen orden: nienen (hienen ?) zuo dann zuo dem
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hie hant ain end die vorred
hie vacht sy an der tractat den man nempt ain form der novitzen oder aines anfahenden menschen / das erst capitell das der mensch betracht war umb er kumen sy in ainen gaistlichen orden zuo dem aller ersten: du gaistlicher mensch. bist du ingegangen in ain gaistlichen bewertten orden: betracht zuo dem
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10 v: aller ersten / war umb du dar in syist kummen: und war zuo und uß wass ursach willen: warumb bistu aber kumen / allain das du wellist gott dem heren Christo jhesu: deinem gespons. hie in disen ellenden stoerblichen leben: williglich frölich biß in den tod deinen (=dienen!) / das er werde dein lon in den ewigen leben: nun zuo gelicher weiß als du umb kaines anderes wegen bist kumen in ain gaistlichen orden / allso umb kains anderen willen soltu verlangen kain guotz werck. war zuo bist du aber kummen in ainen gaistlichen orden: nienen (hienen ?) zuo dann zuo dem
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NOVIZENTRAKTAT: FREIBURG, HS 219
Ein Gebets-und Andachtsbuch; Schriftart: Bastarda, 6 Hände; 2. Hand: schwäbisch; oberrhei.: 3-6; Provenienz: Benediktinerabtei St. Peter, Schwarzwald, 1505 beendet; möglicherweise von Schwester KATHARINA EDERIN geschrieben.
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9r: Hie hept sich an die vorred uber den tractat den man nempt ain form oder ain gestalt der novitzen Ain form oder ain gestalt aines gaistlichen anfahenden lebes so der mensch noch ain novitz dar-?- wuert diser nachfolgend tractant genempt dar in begriffen werdend un allen zwifel So wuert er ain warlicher gaistlicher mensch: wann zuo gelicher (ß) wiß als ain form aines yettlichen dings gitt (?) ain wesen und ain stalt (?) dem selbigen ding also das deß selbig ding warlich sy:also auch die maaß und die form aines gaistlichen lebe(n)s
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9v: welches in disem tractat begriffen wuert. gitt (?) und verlicht ainem menschen ain war rechs gaistlichs leben aber nott ist es das der selbig leb nach der ler / die dar in geschriben stant und wann er merkt das er daran abnemen sy.-?- zuo beserung: all weg rief an die hilff des almechtigen gottes un welche hilff on allen zwiffel / ist der mensch das thon so wiert er finden hilff von gott und nymer verlaufen
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9r: Hie hept sich an die vorred uber den tractat den man nempt ain form oder ain gestalt der novitzen Ain form oder ain gestalt aines gaistlichen anfahenden lebes so der mensch noch ain novitz dar-?- wuert diser nachfolgend tractant genempt dar in begriffen werdend un allen zwifel So wuert er ain warlicher gaistlicher mensch: wann zuo gelicher (ß) wiß als ain form aines yettlichen dings gitt (?) ain wesen und ain stalt (?) dem selbigen ding also das deß selbig ding warlich sy:also auch die maaß und die form aines gaistlichen lebe(n)s
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9v: welches in disem tractat begriffen wuert. gitt (?) und verlicht ainem menschen ain war rechs gaistlichs leben aber nott ist es das der selbig leb nach der ler / die dar in geschriben stant und wann er merkt das er daran abnemen sy.-?- zuo beserung: all weg rief an die hilff des almechtigen gottes un welche hilff on allen zwiffel / ist der mensch das thon so wiert er finden hilff von gott und nymer verlaufen
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Mittwoch, 4. Januar 2017
EIN "DICTUM" DES BEDA
Dum colosseum stabit, Roma stabit; dum Roma stabit, mundus stabit
=Solange das Kolosseum steht, wird Rom stehen, solange Rom steht, wird die Welt bestehen.
BEDA VENERABILIS, 673-735, Kirchenhistoriker. Hauptwerk: Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum.
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=Solange das Kolosseum steht, wird Rom stehen, solange Rom steht, wird die Welt bestehen.
BEDA VENERABILIS, 673-735, Kirchenhistoriker. Hauptwerk: Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum.
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