Ain vorred des puchs vnd das/ dises puoch wirt genannt ain Spiegel der sitten.
ALs in der jartzal. tausent vierhundert. vierundsibentzig von vnsers herren Jesu christi gepurt/ in des goettlichen namen dises puechlin wurd angefangen gemittelt vnnd geendet/ was erscheinen die froeliche wunnsame zeit des Mayen/ der mit manicherlay varben der bluommen mit wolriechenden kreütlein/ vnd mit gruonenden wisen erleüchtet vnd bedecket das erdtrich/ mit verneüten plettern allenthalben beklaidet. die paüme die da mit suesser pluet getzieret/ ir künfftige frücht verhaissen den menschen/vnd die voegelein mit lieblicher stymme vnd armonien zwitzern frolocken/ vnnd ir gesang mit tenoriren discantiren vnd burdaumen füren schlahen/ vnd harpffen. Zuo solher Mayen zeit kame mir Albrechten von Eybe in baiden rechten dochtor Tummherren zuo Bamberg/ auch Eystet/ vnd Ertzpriester zuo Wirtzburg in gemuete vnd bedacht/ als wie ainem reichen vnd wolhabenden manne schwaere vnd layd ist/ kainen erben seiner hab nach jm zuo lassen/also sol schwaerer vnd laider sein den menschen die von dem hoechsten got haben die gnaden der kunst vnd verstentnuß/ so sy iren nachkommenden vnd geleerten der kunst. nichts lassende sein/ da mit sy (als die erben der verstentnuß vnd vernunfft) moechten erfreüet werden/ dartzuo mag vnd sol ainen yegklichen ermanen/ die Eer vnd gedechtnuß seines namens in ewigkeit/...(Zeile 19).
Diese Seite befasst sich mit dem Mittelalter (Medium Aevum) und hat ihren Schwerpunkt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (Sacrum Romanum Imperium Nationis Germanicae).
Sonntag, 29. November 2015
Mittwoch, 11. November 2015
BISCHOF BURCHARD VON WORMS
BURCHARD erblickte um 965 das Licht dieser sündigen Welt. Er war Sohn eines sächsichen Grafen. An verschiedenen Klosterschulen erwarb er sich seinen "vielbestaunten Bildungsfundus". Außerdem-so sein anonymer Biograph-war er erfüllt von der "heilbringenden Weisheit" des Mainzer Erzbischof WILLIGIS. 995 machte ihn OTTO III. zum Bischof von WORMS. Zweimal zog er nach Italien, einmal an der Seite des "schwärmerischen" OTTO und einmal mit HEINRICH, allerdings mit wenig Begeisterung.
BURCHARD war eine pragmatische Natur. Er widmete sich ganz dem Aufbau seines Bistums. Ergebnisloses Eremitentum oder sinnlose Askese waren nicht sein Ding. Dennoch lebte er recht frugal von Brot, Rüben und Früchten und trank eher Wasser als Wein. Nachts lief er oft still durch die Straßen von Worms und schaute überall nach Armen und Kranken, denen er Almosen gab. Der Chronist berichtet, daß sich in seinem Nachlaß keine Schätze befanden, dafür aber zerlesene Bücher. (Daß dies erwähnenswert ist, zeigt nur, daß es meistens nicht so war!)
Die Kanzleischule, um 950 von BISCHOF ANNO gegründet, machte er zu einer der angesehensten des ganzen Reiches! Er stellte eine Sammlung von Kirchengesetzen zusammen, die unter dem Titel "BURCHARDUS" berühmt wurden.
RUDOLF PÖRTNER, DAS RÖMERREICH DER DEUTSCHEN, schreibt:
"Doch das alles waren gewissermaßen Nebenprodukte im Werk des 'wunderbaren heiligen Mannes'. Seine größten Leistungen entwuchsen seiner Bauleidenschaft, die er mit den meisten Kirchenfürsten jener Zeit teilte. Burchard schuf das königliche Worms-einer der schönsten und imposantesten Städte des deutschen Mittelalters."
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BURCHARD war eine pragmatische Natur. Er widmete sich ganz dem Aufbau seines Bistums. Ergebnisloses Eremitentum oder sinnlose Askese waren nicht sein Ding. Dennoch lebte er recht frugal von Brot, Rüben und Früchten und trank eher Wasser als Wein. Nachts lief er oft still durch die Straßen von Worms und schaute überall nach Armen und Kranken, denen er Almosen gab. Der Chronist berichtet, daß sich in seinem Nachlaß keine Schätze befanden, dafür aber zerlesene Bücher. (Daß dies erwähnenswert ist, zeigt nur, daß es meistens nicht so war!)
Die Kanzleischule, um 950 von BISCHOF ANNO gegründet, machte er zu einer der angesehensten des ganzen Reiches! Er stellte eine Sammlung von Kirchengesetzen zusammen, die unter dem Titel "BURCHARDUS" berühmt wurden.
RUDOLF PÖRTNER, DAS RÖMERREICH DER DEUTSCHEN, schreibt:
"Doch das alles waren gewissermaßen Nebenprodukte im Werk des 'wunderbaren heiligen Mannes'. Seine größten Leistungen entwuchsen seiner Bauleidenschaft, die er mit den meisten Kirchenfürsten jener Zeit teilte. Burchard schuf das königliche Worms-einer der schönsten und imposantesten Städte des deutschen Mittelalters."
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Freitag, 30. Oktober 2015
"BRUDER" CHLODWIG I. (465-511)
CHLODWIG wurde 481 König der Franken. Er stammte aus der Familie der MEROWINGER, sein Großvater war MEROWECH, der sogar-so will es die Legende-von einer Seeschlange abstammte.
"Chlodwig war wohl der Urtyp des Barbaren. Brutal, unwissend und völlig amoralisch, raubte er Schätze, spaltete Schädel und sammelte Konkubinen mit erschreckendem Vergnügen."
Er regierte 30 Jahre. In dieser Zeit machte er aus Einzelkriegern eine Armee und dehnte sein Reich vom Rhein bis zum Atlantik aus! Mit dem Bischof REMIGIUS VON REIMS stand er auf gutem Fuß. Schließlich heiratete er die burgundische Prinzessin CLOTHILDE und wurde Christ. Wir machen alle mal einen Fehler (AdV.). Es kam noch schlimmer: Die Bischöfe Galliens nannten CHLODWIG ihren (lieben?) Sohn. Einer der eifrigsten Gratulanten war Bischof AVITUS VON VIENNE. Dieser meinte:
"Jede Schlacht, die Ihr ausfechtet, ist ein Sieg für uns."-Amen.
Wie man sieht, ist die Kirche immer auf Seiten der Mächtigen (frei zitiert nach dem Film "Aguirre, der Zorn Gottes".)
507 gelang dem langhaarigen CHLODWIG dann so ein "heiliger" Sieg. Bei Poitiers schlug er (in christlicher Nächstenliebe) die Westgoten. 511 starb CHLODWIG als "guter Christ". Sein Reich wurde unter seinen vier Söhnen aufgeteilt.
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MÖNCHE, KRIEGER, LEHENSMÄNNER, Spätantike und frühes Mittelalter, rororo Sachbuch, das farbige Life Bildsachbuch von Gerald Simons und der Redaktion der Time-Life-Bücher, Einführung von Prof. A. Timm, Univ. Bochum, Hamburg 1978, S. 49-52.
"Chlodwig war wohl der Urtyp des Barbaren. Brutal, unwissend und völlig amoralisch, raubte er Schätze, spaltete Schädel und sammelte Konkubinen mit erschreckendem Vergnügen."
Er regierte 30 Jahre. In dieser Zeit machte er aus Einzelkriegern eine Armee und dehnte sein Reich vom Rhein bis zum Atlantik aus! Mit dem Bischof REMIGIUS VON REIMS stand er auf gutem Fuß. Schließlich heiratete er die burgundische Prinzessin CLOTHILDE und wurde Christ. Wir machen alle mal einen Fehler (AdV.). Es kam noch schlimmer: Die Bischöfe Galliens nannten CHLODWIG ihren (lieben?) Sohn. Einer der eifrigsten Gratulanten war Bischof AVITUS VON VIENNE. Dieser meinte:
"Jede Schlacht, die Ihr ausfechtet, ist ein Sieg für uns."-Amen.
Wie man sieht, ist die Kirche immer auf Seiten der Mächtigen (frei zitiert nach dem Film "Aguirre, der Zorn Gottes".)
507 gelang dem langhaarigen CHLODWIG dann so ein "heiliger" Sieg. Bei Poitiers schlug er (in christlicher Nächstenliebe) die Westgoten. 511 starb CHLODWIG als "guter Christ". Sein Reich wurde unter seinen vier Söhnen aufgeteilt.
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MÖNCHE, KRIEGER, LEHENSMÄNNER, Spätantike und frühes Mittelalter, rororo Sachbuch, das farbige Life Bildsachbuch von Gerald Simons und der Redaktion der Time-Life-Bücher, Einführung von Prof. A. Timm, Univ. Bochum, Hamburg 1978, S. 49-52.
Donnerstag, 8. Oktober 2015
HAITHABU
"Blinde Städte"
Dies waren merkantile Siedlungen im nördlichen Europa, meist am Ende einer Bucht oder eines Fjords gelegen, die untergegangen sind oder verlassen wurden. Der Vergleich mit den "Geisterstädten" des Wilden Westens drängt sich auf.
1.) Skiringsal: Südnorwegen, vermutete Lage: südliches Vestfold (u. a. Fund von Bootsgräbern und Importwaren).
2.) Birka: am Mälarsee bei Stockholm (Münzfund).
3.) Lindholm Höje: Norddänemark (700 Gräber; Brandgräber).
4.) Haithabu: 1896: Der dänische Historiker Sophus Müller, ein passender Vorname für einen Gelehrten, vermutete, daß hinter einem Wall beim Haddebyer Noor eine Stadt gewesen war. Grabungen ab 1900. Ab 1931: Grabungen durch Prof. Herbert Jankuhn.-Befestigter Bachgraben-Fundamente von Häusern (Westostrichtung; lehmverkleidetes Flechtwerk; Abzugsloch, keine Fenster)) mit Brunnenloch-günstige Lage: an der engsten Stelle von Jütland, wo sich Schlei und Eider sowie Treene fast berühren (eine Art Vorläufer des Nord-Ostseekanals).-Dies war die Grenze zwischen Nord-und Westgermanen.-
Angeblich wurden Lastboote auf Rollen über das Landstück gezogen.-Kograben: eine Befestigungslinie, erbaut durch König Göttrik; später zum "Danewerk" erweitert und noch 1860 im preuß.-dän. Krieg genutzt.
Grund der Blüte Haithabus: die Landbrücke und der Handel.-
1050: Haithabu geht unter: Harald Hardraada, König der Norweger, fackelte die Stadt ab.-Er lag im Streit mit Sven Esdridsen, dem Dänenkönig.-Sven verfolgte Harald, der am Kattegat die ganze Beute über Bord warf, um schneller davonzukommen.-Der Isländer Snorri berichtet: "Hoch schlugen die Flammen aus den Häusern, als ich heute nacht vor Tagesanbruch auf dem Wall stand."
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Quelle: GUSTAV FABER: DIE NORMANNEN, PIRATEN, ENTDECKER, STAATENGRÜNDER.
Dies waren merkantile Siedlungen im nördlichen Europa, meist am Ende einer Bucht oder eines Fjords gelegen, die untergegangen sind oder verlassen wurden. Der Vergleich mit den "Geisterstädten" des Wilden Westens drängt sich auf.
1.) Skiringsal: Südnorwegen, vermutete Lage: südliches Vestfold (u. a. Fund von Bootsgräbern und Importwaren).
2.) Birka: am Mälarsee bei Stockholm (Münzfund).
3.) Lindholm Höje: Norddänemark (700 Gräber; Brandgräber).
4.) Haithabu: 1896: Der dänische Historiker Sophus Müller, ein passender Vorname für einen Gelehrten, vermutete, daß hinter einem Wall beim Haddebyer Noor eine Stadt gewesen war. Grabungen ab 1900. Ab 1931: Grabungen durch Prof. Herbert Jankuhn.-Befestigter Bachgraben-Fundamente von Häusern (Westostrichtung; lehmverkleidetes Flechtwerk; Abzugsloch, keine Fenster)) mit Brunnenloch-günstige Lage: an der engsten Stelle von Jütland, wo sich Schlei und Eider sowie Treene fast berühren (eine Art Vorläufer des Nord-Ostseekanals).-Dies war die Grenze zwischen Nord-und Westgermanen.-
Angeblich wurden Lastboote auf Rollen über das Landstück gezogen.-Kograben: eine Befestigungslinie, erbaut durch König Göttrik; später zum "Danewerk" erweitert und noch 1860 im preuß.-dän. Krieg genutzt.
Grund der Blüte Haithabus: die Landbrücke und der Handel.-
1050: Haithabu geht unter: Harald Hardraada, König der Norweger, fackelte die Stadt ab.-Er lag im Streit mit Sven Esdridsen, dem Dänenkönig.-Sven verfolgte Harald, der am Kattegat die ganze Beute über Bord warf, um schneller davonzukommen.-Der Isländer Snorri berichtet: "Hoch schlugen die Flammen aus den Häusern, als ich heute nacht vor Tagesanbruch auf dem Wall stand."
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Quelle: GUSTAV FABER: DIE NORMANNEN, PIRATEN, ENTDECKER, STAATENGRÜNDER.
Dienstag, 15. September 2015
WALAHFRID STRABO ET SUCCESSORES
Geboren "um 809 irgendwo am Bodensee, wo er nach eigenem Geständnis seine Jugend 'in Armut' verbrachte". Als Junge von 10 oder 12 wurde er Schüler der REICHENAU. Dort herrschte der strenge REGINBERT, der WALAHFRID ins Skriptorium steckte. Dort mußte er geistige Fließbandarbeit verrichten (Kopieren von Handschriften). Viel mehr interessierten ihn aber die antiken Dichter. Dies war jedoch bei ABT ERLEBALD, Asket und Spielverderber, ganz und gar nicht vorgesehen. Also dichtete WALAHFRID heimlich, unterstützt durch seinen Freund WETTI. Als dieser starb, war WALAHFRID wieder unter der Fuchtel des schrecklichen Abtes. WALAHFRID schrieb ein Gedicht (fast 1000 Hexameter), wodurch er seine Trauer zu überwinden suchte. Darin finden sich so nette Dinge wie die Angst-und Fieberphantasien seines sterbenden Lehrers oder der Gang der Seele durchs höllische Feuer (vgl. DANTE).
Als nächstes schrieb er den "HORTULUS", "ein Poem über die Pflanzen des Klostergartens". Schließlich kann man nicht ständig über die Hölle schreiben.
"Dann ging er nach Fulda..." Dort konnte er endlich die Klassiker studieren. Dennoch war er "vom Heimweh nach der Reichenau und ihren sonnigen Gefilden geplagt". Seine nächste Lebensstation war der kaiserliche Hof, wo er KARL DEN KAHLEN (damals noch nicht kahl) unterrichten durfte. Er blieb ganze 10 Jahre. In dieser Zeit verfaßte er so manche gelehrte Abhandlung, aber auch ein Lobgedicht auf LUDWIG DEN FROMMEN.
"Schließlich kehrte er auf die Insel seiner Wünsche zurück". Im Jahre 839 wurde er dann wegen seiner großen Verdienste zum Abt der REICHENAU ernannt. Es folgte die große Zeit des Klosters. WALAHFRID STRABO ertrank 849 auf einer Frankreichreise in der Loire!
Die REICHENAU war zu dieser Zeit ein Zentrum und Hort der Gelehrsamkeit. Kein anderes Kloster im REICH konnte es mit ihr aufnehmen.
"Nach seinem jähen und frühen Tod wurde es allerdings still auf der REICHENAU."
Andere folgten nach: sein Schüler ERMERICH VON ELLWANGEN, dessen Hobby das Schreiben von Heiligenviten war, RATPERT, der geistliche Lieder verfaßte und Walahfrids Gallusbiographie in Versform umschrieb, MAGISTER TUTILO VON ST. GALLEN, ein Alleskönner und Athlet, der u.a. ein Kirchenlied komponierte, das heute noch gesungen wird (hodie cantandus).
"Überhaupt hatte fünfzig Jahre nach Walahfrids Tod St. Gallen die Reichenau als literarisches Zentrum abgelöst." Um 900 wirkte dort NOTKER DER STAMMLER, "ein kleiner, schmächtiger und furchtsamer Mensch von zerbrechlicher Gesundheit, der 'in seinem Leben viele Kränkungen erfuhr', aber allen Widrigkeiten dieser Welt mit franziskanischer Milde und Güte und einem nie erschöpfenden Fundus an Liebe begegnete." Wahrscheinlich hatte er eine Hasenscharte, so daß er lediglich stammeln konnte, "sein Kopf aber barg so ziemlich alles Wissen seiner Zeit". Doch dies ist eine andere Geschichte.
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Quelle: wie fast immer der von mir überaus geschätzte RUDOLF PÖRTNER
RUDOLF PÖRTNER: DAS RÖMERREICH DER DEUTSCHEN, Städte und Stätten des deutschen Mittelalters, Knaur-Verlag, München, Zürich 1970-79, S. 224 ff.
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Als nächstes schrieb er den "HORTULUS", "ein Poem über die Pflanzen des Klostergartens". Schließlich kann man nicht ständig über die Hölle schreiben.
"Dann ging er nach Fulda..." Dort konnte er endlich die Klassiker studieren. Dennoch war er "vom Heimweh nach der Reichenau und ihren sonnigen Gefilden geplagt". Seine nächste Lebensstation war der kaiserliche Hof, wo er KARL DEN KAHLEN (damals noch nicht kahl) unterrichten durfte. Er blieb ganze 10 Jahre. In dieser Zeit verfaßte er so manche gelehrte Abhandlung, aber auch ein Lobgedicht auf LUDWIG DEN FROMMEN.
"Schließlich kehrte er auf die Insel seiner Wünsche zurück". Im Jahre 839 wurde er dann wegen seiner großen Verdienste zum Abt der REICHENAU ernannt. Es folgte die große Zeit des Klosters. WALAHFRID STRABO ertrank 849 auf einer Frankreichreise in der Loire!
Die REICHENAU war zu dieser Zeit ein Zentrum und Hort der Gelehrsamkeit. Kein anderes Kloster im REICH konnte es mit ihr aufnehmen.
"Nach seinem jähen und frühen Tod wurde es allerdings still auf der REICHENAU."
Andere folgten nach: sein Schüler ERMERICH VON ELLWANGEN, dessen Hobby das Schreiben von Heiligenviten war, RATPERT, der geistliche Lieder verfaßte und Walahfrids Gallusbiographie in Versform umschrieb, MAGISTER TUTILO VON ST. GALLEN, ein Alleskönner und Athlet, der u.a. ein Kirchenlied komponierte, das heute noch gesungen wird (hodie cantandus).
"Überhaupt hatte fünfzig Jahre nach Walahfrids Tod St. Gallen die Reichenau als literarisches Zentrum abgelöst." Um 900 wirkte dort NOTKER DER STAMMLER, "ein kleiner, schmächtiger und furchtsamer Mensch von zerbrechlicher Gesundheit, der 'in seinem Leben viele Kränkungen erfuhr', aber allen Widrigkeiten dieser Welt mit franziskanischer Milde und Güte und einem nie erschöpfenden Fundus an Liebe begegnete." Wahrscheinlich hatte er eine Hasenscharte, so daß er lediglich stammeln konnte, "sein Kopf aber barg so ziemlich alles Wissen seiner Zeit". Doch dies ist eine andere Geschichte.
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Quelle: wie fast immer der von mir überaus geschätzte RUDOLF PÖRTNER
RUDOLF PÖRTNER: DAS RÖMERREICH DER DEUTSCHEN, Städte und Stätten des deutschen Mittelalters, Knaur-Verlag, München, Zürich 1970-79, S. 224 ff.
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Samstag, 22. August 2015
EIN BUCH, DAS MAN UNBEDINGT GELESEN HABEN MUSS, WENN MAN NICHT WEISS, OB ES EINHÖRNER GIBT
ist das Elaborat des J. A. E. GOEZE "Über das vermeynte bey Quedlinburg gefundene Einhorn".
Immerhin scheint die Schrift irgendwie aufklärerisch zu sein, denn seit dem 16. Jh. gab es eine "Flut gelehrter Schriften" über dieses Fabeltier. Das Horn des Tieres galt als Universalheilmittel, überall gab es "Einhornapotheken". Der Gipsbrecher GIEBEL (toller Beruf) hatte 1663 dem Quedlinburger Ratsapotheker ein Horn und einen Schädel vorgelegt, die aus dem Gipsbruch der Seweckenberge (wo auch immer das ist) stammten. Obwohl das Horn negativ getestet wurde, wurde es von dem Apotheker als echt bezeichnet. Ein gewisser JOHANNES MAYER, seines Zeichens Kämmerer von Quedlinburg, lieferte sogar eine Beschreibung des Einhorns nebst Abbildung des Skeletts. Dieses hatte allerdings den kleinen Schönheitsfehler, daß es aus Rhinocerosknochen zusammengebastelt war. Schleßlich wurde dem Spuk durch GOEZES Schrift (s.o.) der "Garaus" gemacht.
"Und es gibt sie doch", scheint der Magdeburger Bürgermeister OTTO GUERICKE gedacht zu haben. In scharfsinnigen Gedankengängen wies er die Existenz des Einhorns nach.
Immerhin scheint die Schrift irgendwie aufklärerisch zu sein, denn seit dem 16. Jh. gab es eine "Flut gelehrter Schriften" über dieses Fabeltier. Das Horn des Tieres galt als Universalheilmittel, überall gab es "Einhornapotheken". Der Gipsbrecher GIEBEL (toller Beruf) hatte 1663 dem Quedlinburger Ratsapotheker ein Horn und einen Schädel vorgelegt, die aus dem Gipsbruch der Seweckenberge (wo auch immer das ist) stammten. Obwohl das Horn negativ getestet wurde, wurde es von dem Apotheker als echt bezeichnet. Ein gewisser JOHANNES MAYER, seines Zeichens Kämmerer von Quedlinburg, lieferte sogar eine Beschreibung des Einhorns nebst Abbildung des Skeletts. Dieses hatte allerdings den kleinen Schönheitsfehler, daß es aus Rhinocerosknochen zusammengebastelt war. Schleßlich wurde dem Spuk durch GOEZES Schrift (s.o.) der "Garaus" gemacht.
"Und es gibt sie doch", scheint der Magdeburger Bürgermeister OTTO GUERICKE gedacht zu haben. In scharfsinnigen Gedankengängen wies er die Existenz des Einhorns nach.
Donnerstag, 13. August 2015
KEINE SCHULEN BEI DEN WIKINGERN DAFÜR EINE HÜBSCHE LEIBEIGENE
Für was auch? Für "lustige" Beutefahrten, die Laune machten, brauchte man keinen "Sinus" oder "Cosinus". Auch das Übersetzen und Skandieren von "ovidianischen" Liebesgedichten wurde nicht als unbedingt notwendig und zielführend angesehen. Also weg damit! Die Lektüre von zarten Versen macht eh weich.
Die "Realien" bekam man zuhause beigebracht. Dabei spielten Heldengeschichte eine große Rolle, denn dadurch wurde der Sinn hart. HÄRTE UND KRAFT-nicht Ovid! Wichtig waren auch, daß man sich selber helfen konnte, den Tod verachtete und die Sippenehre mit Schwert, Axt und Speer verteidigte.
Wie immer bringt es RUDOLF PÖRTNER auf den Punkt:
"Schulen gab es natürlich nicht."
Und was das Beste war: " Als Vierzehnjähriger durfte er sich eine hübsche Leibeigene halten." Außerdem durfte man das THING besuchen und an Fehde-und Racheaktionen teilnehmen. Mit 15 ging's dann auf große Fahrt.
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R. PÖRTNER: DIE WIKINGER-SAGA
Die "Realien" bekam man zuhause beigebracht. Dabei spielten Heldengeschichte eine große Rolle, denn dadurch wurde der Sinn hart. HÄRTE UND KRAFT-nicht Ovid! Wichtig waren auch, daß man sich selber helfen konnte, den Tod verachtete und die Sippenehre mit Schwert, Axt und Speer verteidigte.
Wie immer bringt es RUDOLF PÖRTNER auf den Punkt:
"Schulen gab es natürlich nicht."
Und was das Beste war: " Als Vierzehnjähriger durfte er sich eine hübsche Leibeigene halten." Außerdem durfte man das THING besuchen und an Fehde-und Racheaktionen teilnehmen. Mit 15 ging's dann auf große Fahrt.
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R. PÖRTNER: DIE WIKINGER-SAGA
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