Donnerstag, 21. November 2013

WER WAREN DIE HERMUNDUREN?


Vielfach wurde der Name der THÜRINGER von dem der HERMUNDUREN abgeleitet, doch dies gilt mittlerweile als umstritten. Leider kann man keinen "alten" Thüringer mehr fragen. Ein gewisser LUDWIG SCHMIDT hält die keltischen TEURIER für die Namensgeber. So lebe auch der Name der keltischen BOJER in den BAJUWAREN weiter. Doch auch Schmidt war damals nicht dabei.
Jedenfalls gilt als gesichert, daß die HERMUNDUREN den Hauptbestandteil der THÜRINGER stellen. Hinzu kamen ANGELN und WARNEN aus Schleswig.
Die HERMUNDUREN lassen sich archäologisch bis ins 1. Jh. v. Chr. zurückverfolgen. Man fand Spuren derselben zwischen Altmark und Harzvorland. STRABO berichtet, daß der Stamm um Christi Geburt an den Ufern der Elbe wohnte. PTOLEMÄUS schreibt, daß sich ihre Heimat zwischen Thüringer Wald und Lausitzer Bergland befindet. 58. v. Chr. gab es jedenfalls Ärger: Da kämpften die HERMUNDUREN mit den CHATTEN um irgendwelche Salzquellen, die, so vermutet man, an der Werra lagen. In den ersten Jahrhunderten nach Christus deckte sich ihr Siedlungsraum ungefähr mit dem heutigen Thüringen. Dort hielten sie sich wacker ohne "expansive Gelüste". Dann kam die Völkerwanderung, und es wurde unruhig. Auch die HERMUNDUREN ergriff die allgemeine Unrast, und so finden wir einige von ihnen unter den Fahnen ATTILAS! Der scheint ihnen einiges beigebracht zu haben, denn um 480 n. überfielen sie Passau und räumten es leer.
So mancher HERMUNDURE wird Jahre später noch am heimatlichen Herdfeuer in Erinnerungen geschwelgt haben:
"Weißt du noch, wie wir damals Passau überfielen? Da waren wir noch jung und fit. Wir hatten eine gute Zeit."
Damals hatten die HERMUNDUREN den Zenit ihrer Macht erreicht. Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich nun von der Werra bis zur Elbe und von der Aller bis zur Oker (wo auch immer das ist). Doch blieb auch in den chaotischen Zeiten der Völkerwanderung die Seßhaftigkeit das bestimmende Merkmal der HERMUNDUREN. Auch im Kunsthandwerk zeigten sie einen Hang zur Beständigkeit. Es ist eindeutig germanisch und wirkt ein wenig provinziell. Ausnahmen stellen die Fibeln von Mühlhausen und Weimar dar. Die  "Reitersteine von Hornhausen" (um 700) sind ihr erstes Werk, das überregional von Bedeutung ist.
529 n. war dann Schluß mit der Gemütlichkeit: Ein merowingisches Heer drang nach Thüringen ein. Man schlug einen Tag aufeinander ein. Ergebnis: Null!
2 Jahre nach diesen Ereignissen versuchten es die Brüder THEUDERICH und CHLOTAR (unter Mithilfe der SACHSEN). Ergebnis: Alle THÜRINGER tot! Doch die Brüder zerstritten sich bei der Beuteverteilung. Besonders bei der schönen Prinzessin RADEGUNDE wurden sie sich nicht einig. Dies verschaffte König HERMINAFRIED etwas Luft, so daß er noch einige Jahre als Schattenkönig vegetieren konnte.
THEUDERICH hatte jedoch keine Lust auf einen weiteren anstrengenden und teuren Feldzug. Er lud den König in allen Ehren zu sich ein und gab ihm sein Ehrenwort, daß ihm nichts passieren werde. Doch HERMINAFRIED wurde von einem Unbekannten von einer Mauer gestoßen. Traue niemand! Das kann man bei GREGOR VON TOURS nachlesen. RADEGUNDE heiratete CHLOTAR, was ihn nicht hinderte, ihren Bruder zu meucheln. Der Mann hatte Familiensinn. Dann wurde Thüringen aufgeteilt: der Norden für die SACHSEN, den Rest für die FRANKEN. Die nächsten hundert Jahre liegen in geschichtlichem Dunkel. Es gelang den Thüringern, eine gewisse Unabhängigkeit zu wahren. Viele dienten sogar im Heer der FRANKEN. Es gab außerdem gemeinsame Interessen: Der Kampf gegen die SLAWEN. Doch im 7 Jh. besiegte der WENDENKÖNIG SAMO ein Heer bestehend aus FANKEN und SACHSEN.  Ca. 630 n. wurde dann der Franke RADULF von König DAGOBERT zum Herzog von THÜRINGEN ernannt. Doch dieser rebellierte bald gegen die Zentralgewalt.
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Quelle: RUDOLF PÖRTNER: DIE ERBEN ROMS, Städte und Stätten des deutschen Früh-Mittelalters, Droemer Knaur, München 1974, S. 194-197.
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ARMINIUS

Montag, 18. November 2013

DIE WIKINGER: RACHE UND VOLLRAUSCH

In den Sagas wird von ca. 500 Fehden berichtet. Sicher war die Zahl der Fehden, die wirklich stattfanden, um ein Vielfaches höher. Nur ungefähr 30 konnten auf dem THING friedlich beigelegt werden.
Vergeltung wurde geradezu zelebriert. Es galt eine Art von Rachegebot. Dabei war kein Opfer zu groß. Selbst weite Reisen bis nach Grönland und Byzanz wurden unternommen, um jemandem etwas heimzuzahlen. Sogar eine gelungene Vergeltung nach vielen Jahren wurde öffentlich gebilligt. Eine spontane Vergeltung war gut, aber noch viel besser war eine lange geplante Rache.
RACHE IST "BLUTWURSCHT"!
Es wurde nicht nur viel gerächt im Reiche der Wikinger, sondern auch viel gesoffen. Rache und Vollrausch galten als rituelle Akte. Trinken hob das Lebensgefühl und gehörte dem magischen Bereich an. Je mehr Met floß, umso näher war man den alten Säufern in WALHALL. Mindestens 2-3 Vollräusche pro Jahr mußten drin sein! Dazu versammelte man sich zum "blot", einer irdischen Ausgabe des immerwährenden Totalbesäufnisses in WALHALL.
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1980 besuchte mich mein "Wikingerfreund" Jostein E. in meiner Studentenbude in Heppenheim. Er hatte eine Reisetasche "Öl" bei sich. Wir ließen keine Flasche übrig und waren göttlich betrunken.
Ich hoffe, wir sehen uns in WALHALL wieder (See you in Valhalla, my friend.). Dann können wir endlich weitertrinken.
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Höhöhö!
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Quelle: R. PÖRTNER: DIE WIKINGER SAGA, Knaur, München 1975, S. 92 f.
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RAGNAR

BATTLE OF THE NATIONS

www.vollkontaktkampf.at

Battle of the Nations

Hier werden Turniere veranstaltet, das Brauchtum gepflegt und Helme schweren Belastungstests unterzogen.
"Battle of the Nations" ist eine Weltmeisterschaft für HMB (Historical Medieval Battle), die seit 2010 jährlich durchgefährt wird und 2014 in Trogir in Kroatien stattfinden wird. 2013 waren die Kämpfe in Aigues-Mortes in Frankreich.
An diesen Kämpfen nehmen spätmittelalterlich gewandete Kämpfer verschiedener Nationen teil, auch aus dem fernen Osten (Japan). Die Zahl der teilnehmenden Nationalen stieg schnell an. Gekämpft wird in verschiedenen Disziplinen einschliesslich Buhurt, also "Alle gegen alle". Bislang dominierte Russland das Turnier klar. Das Team der USA nimmt seit 2012 an den Kämpfen teil und rekrutiert einen Teil seiner Recken aus der Society for Creative Anacronism (SCA).


Donnerstag, 14. November 2013

ABSCHWÖREN? NIEMALS!

In altdeutscher Zeit wurden die Germanen von Missionaren bekehrt. Man brachte sie sozusagen "auf den rechten Weg" (oder was man dafür hielt), der aus der Dunkelheit ins Licht führen sollte.  Nachdem die Pfaffen einen beschwatzt und gelöchert hatten, mußte man ein inquisitorisches Interrogatorium über sich ergehen lassen. Das Ganze nannte sich dann Taufgelöbnis. Kaum hatte man alles nachgeplappert, war auch schon aus dem argen Heiden ein frommes Lamm geworden. Und fertig war der bekehrte Christ. Amen.
Das Prozedere lief fast immer nach demselben Muster ab:
Interrogatio sacerdotis:
Forsachistu diabolae?
et respondet: ec forsacho diabolae.
end allum diobolgelde?
respondet: end ec forsacho allum diobolgeldae.
end allum dioboles uuercum?
respondet: end ec forsacho allum dioboles uuercum and uuordum, THUNAER ende UUODEN ende SAXNOTE ende allum them unholdum the hira genotas sint.
gelobistu in got alamechtigan fadaer.
ec gelobo in got alamechtigan fadaer.
gelobistu in Crist gotes suno.
ec gelobo in Crist gotes suno.
gelobistu in halogan gast?
ec gelobo in halogan gast.
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Besonders mit den letzten zwei Zeilen wußte der einfache Germane nicht viel anzufangen. "Spiritus sanctus"=der heilige Geist hatte für ihn die Bedeutung "heiles, unverletztes Gespenst oder Schreckbild" (vgl. engl. ghost). Und sowas sollte man anbeten?
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(NIEDERDEUTSCHES TAUFGELÖBNIS; Cod. Palat. Lat. 577, Biblioteca Vaticana; dazu u.a. W. Foerste: Untersuchungen zur westfälischen Sprache des 9. Jh.s (1950), S. 90 ff.)
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Wie man sieht, war das Vorgehen der "monks" nicht gerade sensibel. Man muß sich das mal vorstellen! Da kamen irgendwelche Kuttenträger daher, die auch noch schlechtes Latein sprachen, und erwarteten in ihrer "sancta simplicitas", daß man jahrhundertalte (gewachsene) Traditionen von heute auf morgen so einfach über Bord wirft. Die alten Schlachtengötter der Germanen sollten auf einmal allesamt "Unholde" sein, denen man abzuschwören hat. Nur noch der christliche Gott solle gelten. Nulla salus extra ecclesia! Bei Licht betrachtet, zeugt dieses Vorgehen von äußerster Härte und Kompromißlosigkeit in der Sache. Dies wußten jedoch die schlauen "monks" geschickt hinter ihrem frommen Getue zu verbergen. Und mit Rhetorik, Versprechungen und Drohungen gingen sie dann auf Seelenfang.
Doch manch' Mönchlein traf der ZORN von THOR, WOTAN und SAXNOT, manch ein "monk" wurde von THORS HAMMER MIÖLNIR zerschmettert!
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THOR, the hammer.
Ihr seid gewarnt!




Sonntag, 10. November 2013

BERNARD CORNWELL: SIE KOMMEN!



UHTRED: Prolog, Northumbrien, 866-867 A.D.: Sie kommen!---
-Und da sah ich sie.
Drei Schiffe.
In meiner Erinnerung gleiten sie aus einer Nebelbank hervor, was vielleicht auch so war, doch Erinnerungen sind trügerisch, und meine anderen Bilder jenes Tages zeigen einen klaren wolkenlosen Himmel. Es gab also vielleicht gar keinen Nebel, doch mir ist so, als seien die drei Schiffe plötzlich wie aus dem Nichts von Süden her aufgetaucht.
Prächtige Langschiffe. Schwerelos schienen sie auf dem Wasser zu schweben, und ihre Ruder teilten die Wellen...Die Sonne glitzerte auf den feuchten Ruderblättern, die, wenn sie durchs Wasser gezogen wurden, die Schiffe nach vorn schnellen ließen. Ich war gebannt von ihrem Anblick.
Bernard Cornwell: Das letzte Königreich
Die Wikinger tauchten oft völlig überraschend aus dem Nichts auf. Allein schon ihr Auftreten löste namenlosen Schrecken aus! Schwertzeit, Beilzeit.
Die "lustigen" Kaperfahrten der Nordmänner  waren vor allem ein einträgliches Geschäft.. Es gab viel zu holen: Städte, Burgen, Kirchen, Klöster, Nonnen. Auch Lösegeld und Tribute verachtete man nicht.
Leider gibt es heute keine derartigen Jobs vom Arbeitsamt. Würde mich gleich freiwillig melden.
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HÖHÖ!